"China bleibt ein Schlüsselmarkt" Chancen im Aftermarket

Während die gesamtwirtschaftliche Stimmung in China abflaut, hat der Aftermarket seinen Höhepunkt längst nicht erreicht. Beste Marktchancen für ZF Services, erklärt Markus Wittig, Vice President der ZF Services Region Asia Pacific, im Interview.

Chinas Wirtschaft ist immer für eine Nachricht gut. Doch während in den vergangenen Jahren Rekordmeldungen die Nachrichtenseiten dominierten, bestimmen derzeit Turbulenzen an der Börse die Schlagzeilen. Kein Grund zur Panik: Mit sieben Prozent wächst der Markt weiterhin beachtlich, wenn auch langsamer. Insbesondere für die Automobilindustrie ist China schließlich einer der wichtigsten Wachstumsmärkte – und bleibt es.

Die Entwicklungen im Aftermarket verlaufen ohnehin zeitversetzt, seinen Höhepunkt hat das Aftersales-Geschäft deshalb längst nicht erreicht. So soll das durchschnittliche Fahrzeugalter bis 2017 bei 4,5 Jahren liegen – die Ausgaben für Ersatzteile und Service liegen dann erfahrungsgemäß am höchsten. Wie ZF Services dieses Potenzial nutzen will, erklärt Markus Wittig. Als Nachfolger von Joseph McCorry übernahm er im Juli 2015 die Position als Vice President der ZF Services Region Asia Pacific.

Markus Wittig, Vice President der ZF Services Region Asia Pacific.

Herr Wittig, Sie haben vor 16 Jahren Ihre Karriere bei ZF Services als Area Sales Manager South/South East Asia begonnen, haben über zwölf Jahre in Schanghai und Singapur gelebt. Auf Basis Ihrer langjährigen Erfahrung – wie schätzen Sie die aktuellen Entwicklungen in China ein?

Gesenkten Erwartungen zum Trotz bleibt China einer unserer Schlüsselmärkte mit weiterhin großem Wachstumspotenzial im Aftermarket. Viele unserer Kunden sind hier aktiv. Das Aftersales-Geschäft werden wir deshalb vor Ort weiterentwickeln – und zwar besonders in den Automotive-Bereichen Pkw, Nfz und Busse sowie Non-Automotive mit Marine- und Rail-Geschäften.

Und wie sehen diese Ansprüche genau aus?

Chinesischen Fahrzeugbesitzern ist es sehr wichtig, ihre Fahrzeuge in hervorragendem Zustand zu erhalten. Sie erwarten deshalb qualitativ hochwertige Ersatzeile und Serviceleistungen. Sie neigen dazu, ihre Fahrzeuge zu OEM-Werkstätten, sogenannten 4S-Stores, zu bringen. Wir glauben, dass sich das in den nächsten Jahren ändern wird. Freie Werkstätten mit besten Services zu wettbewerbsfähigen Preisen sind stark im Kommen. Diese wollen wir mit innovativen One-Stop-Shop-Lösungen, Ersatzteilen in Erstausrüsterqualität und bedarfsgerechten Services unterstützen.

Welche Maßnahmen stehen produktseitig an, um den Erfolg von ZF Services in China zu unterstützen?

Bei Ersatzteilen und Services für Fahrzeuge von europäischen und amerikanischen Fahrzeugherstellern sind wir hervorragend aufgestellt. Der Schlüssel, uns hervorragend zu positionieren, liegt bei den nachgefragten Produkten für asiatische Fahrzeuge. Wir arbeiten deshalb gezielt an der Ausweitung unseres Portfolios, um künftig noch mehr Komponenten anbieten zu können, die speziell auf den asiatischen Markt zugeschnitten sind. Dazu investieren wir in unsere Produktentwicklung in Singapur und Schanghai. Für die wichtigsten Fahrzeugmodelle in ASEAN und Taiwan wollen wir bis 2018 die komplette Palette an Fahrwerk- und Lenkungskomponenten bieten.

Wie stellen Sie sicher, dass die Produkte immer den hohen Qualitätsstandards von ZF Service genügen?

Durch Schulungen und Weiterbildungen sorgen wir dafür, dass das technische Know-how an allen unseren Standorten weltweit das gleiche hohe Niveau hält. ZF Services vertreibt weltweit ausschließlich Ersatzteile in Erstausrüsterqualität, das gilt auch für die in Asien entwickelten Produkte.

Mit einer umfangreichen und hochqualitativen Produktpalette allein ist es meist aber nicht getan.

Das stimmt. Die Weiterentwicklung unserer Produkte wird deshalb flankiert durch eine starke Expansion im Servicebereich. In den nächsten fünf Jahren werden wir das Servicenetzwerk der Region Asien Pazifik um 30 Prozent ausweiten. Speziell in China wollen wir die Anzahl unserer Servicepartner in den nächsten drei Jahren verdoppeln, um in allen Provinzen Chinas direkt vor Ort zu sein.

ZF Services expandiert sein Servicenetzwerk in Asien.

Mit rund 9,5 Millionen Quadratkilometern gehört China zu den größten Ländern der Erde. Wie lassen sich dort möglichst viele Kunden erreichen?

Bei den Chinesen spielen digitale Angebote eine sehr große Rolle. Onlineshopping ist dort noch verbreiteter als in Europa: 2017 sollen bereits 65 Prozent der Bevölkerung im Internet kaufen, das sind doppelt so viele Menschen wie in den USA und sogar viermal so viele wie in Europa. Deshalb setzen wir zusätzlich auf die Distribution unserer ZF Services-Produkte im Netz. Im kommenden Jahr geht unser ZF-Flagship Store auf der populären Plattform T-Mall online. Außerdem suchen wir verstärkt den Dialog mit unseren Kunden über Social Media Kanäle, wie beispielsweise WeChat. Damit sind wir nicht nur offline sondern auch online bestens aufgestellt, um das After-Sales-Geschäft von ZF in China künftig noch erfolgreicher zu gestalten.

Fotos: Thinkstock, ZF, Fotolia

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