Landwirtschaft Mit Hightech aufs Feld

Eine wachsende Weltbevölkerung, die Auswirkungen des Klimawandels und schwindende Ressourcen stellen die Landwirtschaft vor große Herausforderungen. Neben der Entwicklung neuer Pflanzentypen liegt die Hoffnung vor allem auf der modernen Landmaschinentechnik.

Am Rande des gepflügten Feldes stoppt der große Traktor. Der Landwirt tippt die letzten Anweisungen in den Bordcomputer. Für die Aussaat des Sommerweizens ist dieser Frühlingstag ideal. Das hat jedenfalls das Betriebssystem des Hofes anhand von meteorologischen Daten, Bodenproben und der spezifischen Eigenschaften der Getreidesorte errechnet. Mit ein paar Klicks stellt der Landwirt noch die Geschwindigkeit ein und startet das Saatprogramm. Die nächsten Stunden werden ihm die Systeme der Landmaschine einen Großteil der Arbeit abnehmen. Per Laserscanner und GPS orientiert sich der Traktor fast selbstständig auf dem Feld. Ohne kuppeln und schalten zu müssen, kann sich der Fahrer voll und ganz auf die Aussaat konzentrieren.

Was nach Zukunftsmusik klingt, wird immer mehr zum Alltag. „Der moderne Landwirt sitzt im Cockpit der Landmaschine und überwacht die Arbeitsschritte auf dem Bordcomputer. Zum Steuer muss er kaum noch greifen“, erklärt Professor Stefan Böttinger vom Institut für Agrartechnik der Universität Hohenheim. So kann sich der Landwirt stärker auf die Planung der Arbeitsabläufe fokussieren. Ähnlich wie im Automobil liefert heutzutage der Bordcomputer wichtige Informationen zu Geschwindigkeit, Kraftstoffverbrauch oder dem Stand der Aussaat. Anbaugeräte wie Pflug oder Saatmaschinen lassen sich ebenfalls über den Bordcomputer steuern. Bislang hatte jedes Gerät noch sein eigenes Bedienelement.

Moderne Landmaschinen erleichtern die anstrengende Arbeit auf dem Feld.

„Günstiger und effektiver arbeiten“

Früher fuhr der Landwirt über die Wiese und musste bei jedem fertigen Ballen anhalten, ihn per Hand abladen und weiterfahren. Heute bestimmen moderne Pressen die Geschwindigkeit der Landmaschinen, stoppen diese selbstständig und werfen den Ballen automatisch aus – die Anbaugeräte übernehmen also teilweise selbst die Steuerung. „Durch die Zunahme von Hightech auf dem Feld können Landwirte heute günstiger und effektiver arbeiten“, sagt Hermann Beck, Leiter des Geschäftsfeldes Arbeitsmaschinensysteme bei ZF.

Ein intelligentes Gesamtsystem

Roboter werden die Felder von morgen erobern. Der Prospero Robot Farmer von Dorhout R&D LLC kümmert sich um die hochpräzise Aussaat.

Eine wichtige Voraussetzung für die Innovation auf dem Feld ist die nahtlose Verknüpfung der einzelnen Anwendungen zu einem intelligenten und effizienten Gesamtsystem. In modernen Landmaschinen gibt es dafür zwei Systeme, über die einzelne Untersysteme miteinander kommunizieren. Die eine Schnittstelle, das CANBUS-System, steuert dabei überwiegend die internen Systeme wie das Getriebe und den Motor.

Das zweite System (ISOBUS) arbeitet dagegen direkt mit dem Landwirt zusammen und ermöglicht beispielsweise, die verschiedenen Anbausysteme wie Pflug oder Saatmaschine direkt über den Bordcomputer anzusteuern. Die smarte Kommunikation zwischen den Systemen funktioniert auch über die Landmaschine hinaus. Große Hoffnungen setzen Landwirte auf die Entwicklung sogenannter Slave-Systeme, bei denen eine Landmaschine als Leitfahrzeug vorausfährt und sich kleinere Maschinen autonom und unbemannt daran orientieren.

Ein weiteres großes Thema ist das „Precision Farming“. Die Vision: Moderne Landmaschinen wissen nicht nur, an welcher Stelle auf dem Feld sie sich befinden, sondern auch wie viel Saat und Dünger wo nötig ist. Die genaue Dosierung von Düngemitteln ist bislang eine schwierige Herausforderung. Ob die Pflanzen genug Nitrate bekommen oder ob der Stickstoff direkt ins Grundwasser gelangt, lässt sich schwer einschätzen. Einen Ansatz liefern Forscher der Uni Bremen. Mit einem kleinen Chemielabor auf dem Acker lässt sich der Boden analysieren.

ZF-Technik in der Landwirtschaft

Bereits 1937 konstruierten ZF-Ingenieure das erste Schleppertriebwerk; heute setzen fast alle großen Landmaschinenhersteller auf die stufenlosen Getriebe von ZF. Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Systeme in Sachen Komplexität und Leistungsfähigkeit deutlich weiterentwickelt. Bis zu 650 PS starke Landmaschinen wie Traktoren laufen heute mit stufenlosen Getrieben. Wie Assistenzsysteme entlasten auch moderne Antriebstechnologien den Landwirt bei seiner täglichen Arbeit. Durch die optimale Abstimmung zwischen Drehzahl und Gängen sinkt außerdem der Treibstoffverbrauch. In Zeiten knapper Ressourcen und hoher Ölpreise ist das für Landwirte ein wichtiger Kostenfaktor.

Kostenersparnis, Arbeitserleichterung und Umweltschutz sind längst nicht die einzigen Faktoren, die die Etablierung von Hightech-Systemen auf dem Feld beschleunigen. „Ein Bauer in Deutschland oder Frankreich holt schon heute vier bis fünf Mal so viel Weizen aus seinen Feldern wie Landwirte in den USA oder gar Russland. Durch moderne Systeme erhöhen wir die Produktivität und die Flächenleistung weiter“, sagt Böttinger. Diese hohe Effektivität ist im internationalen Wettbewerb immens wichtig. Immerhin steht Landwirten in Russland oder den USA im Durchschnitt das Drei- bis Vierfache an Anbaufläche zu Verfügung.

Hier finden Sie mehr Informationen zur ZF-Technik in Landmaschinen.

Bilder: Getty Images (Aufmacher), Corbis, Getty Images, laif (Bildergalerie), Corbis, Dorhout R&D LLC

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