ZF Innovation Truck Um Längen voraus

Ein Lkw von 25 Metern – bewegt mit einem Finger: Der Innovation Truck von ZF verbindet intelligente Antriebs- und Lenkungstechnik sowie Telematik zu einem wegweisenden Konzept für die Logistik von morgen.

Mehr als 25 Meter lang, rund zweieinhalb Meter breit und voll beladen bis zu 40 Tonnen schwer – damit beeindruckt der IAA-Star von ZF bereits im Stand. Doch erst wenn er auf engem Raum bewegt wird, offenbart sich, warum der Innovation Truck von ZF seinem Namen alle Ehre macht: Für Rangiermanöver muss bei diesem Lastzug niemand mehr hinterm Steuer sitzen – und auch der Dieselmotor kommt nicht zum Einsatz. Der Lkw lässt sich bei niedrigem Tempo ganz einfach per Tablet von außen fernsteuern und rein elektrisch rangieren. Das funktioniert dank fortschrittlicher Technologiekomponenten von ZF, die innovativ zu einem Rangier-Assistenten vernetzt sind.

Im Video: der IAA-Star in Action

TraXon Hybrid

Damit sich ein Lkw mit diesen Dimensionen lokal emissionsfrei bewegen kann, benötigt er zusätzlich eine kraftvolle E-Maschine. Deshalb wirkt im Innovation Truck das automatische Getriebesystem TraXon Hybrid von ZF, bei dem ein 120 Kilowatt starker Elektromotor platzsparend direkt in der Kupplungsglocke des 12-Gang-Getriebes sitzt. Mit diesem Hightech-Effizienzpaket hat der Technologiekonzern als erster alle Hybridvorteile, die man aus Pkw kennt, auch auf schwere Lkw übertragen.

Lenkung

Um den Sattelzug mit dem Tablet manövrieren zu können, ist außerdem eine Lenkung nötig, die von außerhalb des Fahrzeugs angesprochen werden kann: eine fortschrittliche und strategiefähige Überlagerungslenkung. Zusätzlich zur verbrennungsmotorisch angetriebenen Hydraulikpumpe, die die Hauptleistung liefert, verfügt sie über einen E-Motor und stellt so die nötige Lenkkraft bei abgeschaltetem Selbstzünder bereit.

BLE-Tags

Openmatics s.r.o. aus Pilsen steuert – neben dem Telematik-Grundsystem – ein besonderes Feature zum Innovation Truck bei: sogenannte BLE-Tags (Bluetooth Low Energy), kompakte Funkchips mit einem sehr geringen Stromverbrauch und einer hohen Reichweite von rund 25 Metern. Unter anderem übertragen sie wesentliche Informationen für die ferngesteuerte Rangierfunktion drahtlos – zum Beispiel die Basisdaten, um die zwei Knickwinkel – zwischen Zugfahrzeug und Auflieger sowie zwischen Auflieger und Anhänger – immer aktuell berechnen zu können.

Prototypen-Steuergerät

Jedes dieser Einzelsysteme – TraXon Hybrid, Servotwin und Openmatics – setzt Maßstäbe auf seinem Gebiet. Was für einen praxistauglichen Rangier-Assistenten noch fehlt, ist eine Art elektronische Leitzentrale, die das Zusammenspiel dirigiert. Diese Aufgabe übernimmt im Innovation Truck von ZF ein Prototypen-Steuergerät – programmiert vom Projektteam.

Mit der App wird Rangieren zur Fingerübung.

Von den Vorgängen in der Fahrzeugtechnik und -elektronik bekommt der Tablet-Bediener freilich nichts zu sehen. Das muss er auch nicht. Alles, was er zum Fernsteuern des Innovation Truck benötigt, ist die kinderleicht zu bedienende Rangier-App: Nachdem er Fahrstufe und Manövriertempo im Bildschirmmenü ausgewählt hat, setzt er nur noch den Finger auf die Front oder den Anhänger des Sattelzugs, die auf dem Touchscreen skizziert dargestellt sind – schon fährt der echte Lkw elektrisch-leise los. Nach links oder rechts lenkt das Fahrzeug, wenn man den Finger entsprechend verschiebt.
Um das Manövrieren des Lastzugs noch einfacher und übersichtlicher zu gestalten, sind auf dem Touchscreen außerdem wechselnde Kamerabilder eingeblendet – sie zeigen stets jene Umgebung des Lkw, die der Fernsteuerer von seinem aktuellen Standort aus mit freiem Auge nicht einsehen kann. So lässt sich tatsächlich mit nur einem Finger ein 25 Meter langer 40-Tonner rangieren – ein echter Innovation Truck eben.

Bilder: Dominik Gigler (Aufmacher), Illustrationen: Sascha Bierl

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