ZF Race Camp Vollgas und Feintuning

Seit 2007 gibt es das ZF Race Camp:Tüfteln, testen, Gas geben – zwei Tage lang optimieren mehr als 500 Studenten ihre Rennboliden beim ZF Race Camp auf dem Friedrichshafener Messegelände. Die Atmosphäre ist eine Mischung aus konzentriertem Arbeiten in der Boxengasse und entspanntem Miteinander. Das Fazit der Teilnehmer: rundum gelungen.

Blaue und grüne Pylonen markieren den Parcours. Die lange Gerade hat am Anfang und am Ende je eine Lichtschranke. Hier testen die Fahrer beim Acceleration-Test die Beschleunigung ihres Boliden. Von 0 auf 100 in etwa 3,5 Sekunden. Geben hier die Rennwagen mit Verbrennungsmotor beim Tritt aufs Gaspedal das typische Fauchen von sich, sind die Renner mit Elektromotor kaum zu hören. Umso beeindruckender wirkt ihre enorme Beschleunigung; in dieser Disziplin haben sie klar die Nase vorn.

Bereits das zweite Jahr in Folge kamen mehr Teams mit Elektro-Rennwagen als mit Verbrennungsmotor zum ZF Race Camp. Insgesamt beteiligten sich 21 Teams mit 25 Autos. Seit sieben Jahren bietet ZF den Mannschaften der Formula Student das zweitägige Event an. Die Studenten können hier ihre Fahrzeuge testen und von ZF-Ingenieuren unterschiedlichster Fachbereiche checken lassen.

Eindrücke vom ZF Race Camp 2014 und Statements der Teilnehmer gibt es im Video.

"Es ist eine hervorragende Gelegenheit zum Feintuning vor den Rennen in Silverstone und Hockenheim", erklärt Martin Frick, Leiter Personalmarketing und Medien bei ZF. Und eben diese Gelegenheit nutzen die Teams aus ganz Deutschland, aus den Niederlanden und der Schweiz ausgiebig.

Bis zu 20 Mitglieder eines Teams stehen in der Messehalle A2 an ihrem Auto. Ein Blick zum Team "Ecurie Aix" der RWTH Aachen. Hier wird an der Halterung der Batterie gearbeitet, um diese zu optimieren. Andere Mannschaften arbeiten am Motor oder an der Radaufhängung. "Die Veranstaltung ist für uns wichtig, um Erfahrung zu sammeln und bessere Einblicke in die Praxis zu bekommen", sagt Marius Reiter von "Ecurie Aix". Sein Teamkollege Bastian Lampe ergänzt, dass das ZF Race Camp zudem für die Gruppe vorteilhaft ist. Häufig arbeiten die Teams hier zum ersten Mal mit voller Mannstärke zusammen. Da ist es wichtig, dass jeder Handgriff sitzt und jeder weiß, was er zu tun hat.

Apropos Mannstärke: Beim Race Camp sind keineswegs nur Männer zu sehen. Kein Team, das nicht auch Frauen in seinen Reihen hat. So wie Annemarie König. Sie ist bei bei "TUfast" der Technischen Universität München für den Bereich Schaltung und Kupplung zuständig. Beim Verbrenner, wohlgemerkt. Denn die Münchner treten bei der Formula Student, ebenso wie das Team aus Karlsruhe, mit zwei Wagen an: ein Rennwagen mit Verbrenner und einer mit E-Motor. Beim Fahrzeug mit konventionellem Antrieb verfolge das Münchner TU-Team in diesem Jahr eine ganz besondere Richtung, sagt König: Das Auto ist in Leichtbauweise gefertigt und der Motor hat lediglich einen Zylinder. "Hier beim Race Camp wird es ernst. Man muss schauen, wie man mit dem Stress klar kommt. Außerdem wollen wir unseren Sponsoren ja zeigen, dass wir ein tolles Projekt haben", erklärt König.

Als erster jagt Philipp Schmitt vom Team FS Weingarten durch die Pylonen der Teststrecke. Seine Mannschaft ist eine der ersten, die das so genannte Scrutineering und den Bremstest besteht. Zwei maßgebliche Hürden, um mit dem Fahrzeug überhaupt auf die Strecke zu dürfen.

Beim Scrutineering lassen sich Ingenieure von ZF jedes Fahrzeug von den Mannschaften präsentieren. Dabei kontrollieren sie, ob alle Vorgaben eingehalten wurden und geben Tipps, was sich noch verbessern lässt. Beim Bremstest geht es um die Sicherheit. Die Bremsen müssen beweisen, dass sie das Fahrzeug schnell genug zum Stehen bringen. "Die Testmöglichkeiten sind für uns enorm wichtig. Wir müssen herausfinden, wie das System arbeitet, außerdem muss sich der Ablauf einspielen", sagt Schmitt. Kleinere Probleme habe sein Team derzeit noch bei der Wärmeentwicklung an der Auspuffanlage. Die ZF-Ingenieure empfehlen zudem eine andere Lösung, um die Kraftstoffleitungen zu verlegen.

Technikbegeisterung über Generationen hinweg

Dass die Formula Student und das ZF Race Camp ihre eigenen Geschichten schreiben, beweisen Alex van Koppen und sein Sohn Jörgen. Im Jahr 2001 nahm Alex von Koppen aus dem niederländischen Delft zum ersten Mal an der Formula Student teil, beriet die Mitglieder des Teams. Für das Gruppenfoto setzte er seinen damals zehn Jahre alten Sohn ins Cockpit des Rennwagens. Heute, 13 Jahre später, ist Alex von Koppen noch immer als helfende Hand dabei – und sein Sohn Jörgen als Ingenieur. Er studiert Maschinenbau in Delft. "Mein Vater hat mich inspiriert. Er hat mich schon früh zu Rennen mitgenommen. Die Teilnahme an der Formula Student ist zwar sehr zeitintensiv, dafür habe ich in diesem Jahr unheimlich viel gelernt", sagt Jörgen van Koppen. So geht es vielen Teilnehmern der Formula Student und des ZF Race Camps – und auch wenn sie bei den Rennen gegeneinander antreten, so verbindet sie alle ihre Leidenschaft für Technik.

Weitere Infos zum Race Camp finden Sie hier.

Alex van Koppen und sein Sohn Jörgen vom Team DUT Racing Delft.

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