Wind-Service Kein Job für Ängstliche

Servicetechniker Michael Richter wartet weltweit Windkraftgetriebe in luftiger Höhe. Jedes Jahr überwindet er so mehr Höhenmeter als bei einer Tour zum Mount Everest.

Eng ist es hier oben am Arbeitsplatz von Michael Richter, sehr warm und sehr hoch. Richter ist Serviceingenieur für Windkraftgetriebe und arbeitet hoch oben in der Windmühle. Im Maschinenhaus in 100 Metern Höhe bleibt neben Triebstrang, Generator und Kontrollsystem wenig Platz, und es kann bis zu 50 Grad heiß werden. Wenn draußen der Wind weht und sich die Flügel drehen, wird es drinnen extrem warm. Gut, dass wenigstens der Aufstieg nicht schweißtreibend ist.Zumindest in den höheren Windrädern kommt man mit einem kleinen Aufzug hinauf. Er fasst zwei Leute und minimales Gepäck. „Das ist nicht überall so“, sagt Richter. Viele Windräder haben keine motorisierte Aufstiegshilfe, und dann wird es richtig anstrengend. Drei Windräder pro Tag, das spüre man schon in den Knochen. Im vergangenen Jahr hat der Belgier auf diese Weise mehr als einmal den Mount Everest bestiegen, was die Distanz in Höhenmetern betrifft.

Video: Bloß keine Höhenangst haben

Das Video bietet Einblicke in den besonderen Arbeitsplatz Michael Richters und zeigt, in welcher Höhe Windkraft-Getriebe gewartet werden.

70 Tonnen schwere Getriebe

Richter und seine weltweit 25 Kollegen fliegen jedes Jahr mehrfach um die Erde und steigen auf Windräder in Europa, Australien, Asien, Nord- und Südamerika. Kleinere Reparaturen können sie direkt im Windrad vornehmen, bei größeren Schäden müssen die bis zu 70 Tonnen schweren Getriebe mit einem Kran aus der Windkraftanlage gehoben und mit Schwertransportern weggeschafft werden. Das kann dann mehrere Tage dauern. 20 bis 25 Jahre halten die Getriebe in der Regel. Damit sie in dieser Zeit den starken Kräften widerstehen können, die auf sie wirken, müssen sie regelmäßig gewartet werden. In den USA steht bei vielen der 30.000 Windräder ein solcher Service an. „Hier laufen wir gerade in einen regelrechten Boom hinein“, sagt Windserviceleiter Marcel Pooth. Entsprechend gut laufen die Geschäfte. Gleiches gelte nach wie vor für Europa und mittel- bis langfristig auch für China. ZF sieht Pooth hier gut aufgestellt. „Wir sind zum einen im Service unserer eigenen Getriebe stark, zum anderen warten und reparieren wir auch Produkte anderer Hersteller“, erklärt Pooth. Da der Transport der tonnenschweren Getriebe teuer und zeitaufwendig ist, ist die weltweite Präsenz von enormer Bedeutung. In Europa und den USA ist ZF stark vertreten, aber auch in anderen Märkten wie Indien oder China ist der Konzern präsent.

Kein Job fürs Leben

Richters Standort ist Lommel. Doch er arbeitet selten in Belgien, nur etwa zwei Wochen im Jahr. „Fünf bis zehn Jahre machen die meisten diesen Job. Spätestens wenn es mit der Familienplanung ernst wird, hören sie auf“, sagt Außendienstleiter Kris van Rompaey. Auch für Richter ist es keine Arbeit fürs Leben: „In ein paar Jahren repariere ich die Getriebe im Werk. Das ist kaum anders. Nur nicht so weit oben.“

Bilder: Thorsten Futh

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