Alfred von Soden-FraunhofenBiographie

Der Mitgründer und erste Geschäftsführer von ZF wurde am 21. November 1875 in Neufraunhofen geboren.

Alfred Graf von Soden-Fraunhofen

Gegen den Willen seiner Eltern, die ihren Sohn gern als zukünftigen Militär oder Juristen gesehen hätten, studierte Soden in München Maschinenbau und schloss seine akademische Ausbildung 1903 als Diplomingenieur ab. Schon während seiner ersten Berufsjahre bei Daimler und MAN betätigte sich Soden als Konstrukteur. Gemeinsam mit einem Studienfreund entwickelte er einen Verbrennungsmotor, doch damit nicht genug. So unterschiedliche Erfindungen wie ein Schrapnell-Geschoss, ein Kreiselspielzeug, ein „unsichtbarer“ Hosenträger, ein Rasierapparat, eine Zugtrompete oder eine Spirituslampe sind mit seinem Namen verbunden.

Im Oktober 1906 reiste Soden an den Bodensee und sah dort erstmals ein Luftschiff. Der Kontakt zu Graf Zeppelin blieb anfangs rein privat, doch im Februar 1910 unterbreitete der der Vater des Luftschiffbaus am Bodensee Soden das Angebot, als Leiter einer neu zu schaffenden Versuchsabteilung in die Luftschiffbau Zeppelin GmbH einzutreten. Soden nahm die Stelle an, übersiedelte mit seiner wachsenden Familie nach Friedrichshafen und absolvierte noch im selben Jahr erste Probefahrten mit den Luftschiffen LZ 6 und LZ 7.

Während des Ersten Weltkriegs brachte Soden die Idee ins Spiel, für die damals vor allem militärisch eingesetzten Luftschiffe Kegelräder nach dem System des Schweizer Ingenieurs Max Maag zu nutzen. Als diese Idee in der Gründung der Zahnradfabrik mündete, wurde Soden deren ersten Geschäftsführer. Nachdem die als GmbH gegründete Zahnradfabrik 1921 in eine AG umgewandelt worden war, arbeitete Soden als Vorstand weiter. In dieser Funktion war er für ZF einer der wesentlichen technologischen Impulsgeber. Seine Innovationskraft trug ihre Früchte vor allem im aufstrebenden Automobilbau. Das 1921 entwickelte „Soden-Getriebe“ mit Vorwahlschaltung für die einzelnen Gänge stellte eine ingenieurtechnische Leistung dar, die ihrer Zeit weit voraus war. Wirtschaftlich erfolgreich waren Sodens Anstrengungen zur Vereinfachung und Vereinheitlichung der Automobilgetriebe, die 1925 zur Entwicklung des „Einheitsgetriebes“ führten.

Soden, von Zeitgenossen als bescheiden, stets höflich und tief religiös beschrieben, lehnte die rassistische und aggressive Ideologie der Nationalsozialisten ab. Einerseits unterstützte er als Technik-Vorstand der Zahnradfabrik die Umstellung auf Kriegsproduktion. Andererseits gibt es Indizien, die auf eine kritische Haltung gegenüber dem Hitler-Regime hindeuten: Soden wurde nie Mitglied der NSDAP; die HJ-Mitgliedschaft der Söhne scheint er bewusst hinausgezögert zu haben. Das durch Soden unterschriebene Vorwort der ZF-Jubiläumschronik aus dem Jahr 1940 trägt den Titel „In ernster Zeit“ und vermeidet trotz aller patriotischen Töne das zeittypische nationalsozialistische Vokabular. Im Jubiläumsjahr 1940 wurde der Graf durch die Technische Hochschule Stuttgart zum Dr.-Ing. ehrenhalber ernannt. Zu diesem Zeitpunkt litt er offenbar bereits unter einer seit Anfang der 1930er-Jahre fortschreitenden Leukämie-Erkrankung. Den Niedergang des von ihm mit gegründeten Unternehmens in den letzten Kriegsmonaten erlebte Soden nicht mehr. Alfred Graf von Soden-Fraunhofen verstarb am 14. Juni 1944 und wurde im Kreis der Familie auf dem Gut Neufraunhofen beigesetzt. Eine öffentliche Würdigung des ZF-Mitgründers fand auf Anordnung der nationalsozialistischen Kreisleitung nicht statt.

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