Alfred Graf von Soden-Fraunhofen
Soden wurde am 21. November 1875 in Neufraunhofen geboren und absolvierte nach Abitur und Militärdienst ein Jurastudium, das er 1898 abschloss. Tief verwurzelt im alten bayrischen Adel war Soden keineswegs für einen technischen Beruf prädestiniert, doch setzte er sich gegen den anfänglichen Widerstand seiner Eltern durch und schloss ein Zweitstudium an der Technischen Hochschule München als Maschinenbau-Ingenieur 1902 ab.
Alfred Graf von Soden-Fraunhofen
Seine berufliche Laufbahn begann Soden in der Versuchsabteilung der Daimler Motoren Gesellschaft in Stuttgart, zunächst als Betriebsassistent in der Eisenbahnabteilung, später in der Automobilabteilung.
1906 entwickelte er zusammen mit einem Studienkollegen einen Dieselmotor; diese Konstruktion legte er der Maschinenfabrik Augsburg- Nürnberg vor, und ab 1908 konnte er im Dienste der MAN in Nürnberg an diesem so genannten Vogelmotor weiterarbeiten. Die Entwicklung war bis auf die Einspritzpumpe abgeschlossen. Bei zunächst privaten Reisen an den Bodensee lernte Soden Graf Zeppelin und seine bahnbrechenden Erfindungen kennen.
1910 unterbreitete ihm der Graf ein Angebot, als Leiter einer neu zu schaffenden Versuchsabteilung in den Luftschiffbau einzutreten. Soden nahm an und beschäftigte sich mit Motoren, Getrieben und Luftschrauben. Die stets wachsenden Leistungsanforderungen an die Antriebsmotoren der Luftschiffe machten Verbesserungen an den Getrieben notwendig. Starke Erschütterungen und Geräusche bei der Kraftübertragung zeigten, dass die damals verfügbaren Kegelräder mangelhaft waren. Soden knüpfte im Frühjahr 1915 Kontakt zu Max Maag in Zürich. Dieser hatte nämlich ein neues Verfahren zur Herstellung von hochwertigen Zahnrädern entwickelt. Es handelte sich um ein Abwälzverfahren, das die Fertigung auf der Basis mathematisch berechneter und durchkonstruierter Einzelverzahnungen möglich machte. Statt den Stahl wie bisher zu hobeln oder zu fräsen, benutzte Maag eine Zahnstange mit einer Schneidkante, an der das zu bearbeitende Rad genau wie beim Eingriff in ein anderes Rad abrollte.
Auch für die Korrektur nach dem Härten entwickelte Maag ein eigenes Schleifverfahren, bei dem das Evolventenprofil der Zähne nicht beeinträchtigt wurde. Graf Zeppelin veranlasste daraufhin Alfred Colsman, Direktor der Luftschiffbau Zeppelin GmbH, Verhandlungen mit der Firma Max Maag in Zürich über den Ankauf von Zahnrad-Werkzeugmaschinen zur Einrichtung einer selbstständigen Zahnradfabrik in Friedrichshafen aufzunehmen. Damit war der Grundstein für ZF gelegt. Graf Soden wurde zusammen mit Theodor Winz zum ersten Geschäftsführer bestellt, ab 1921 zum technischen Vorstand. Er leitete das Unternehmen fast 30 Jahre lang bis zu seinem Tode 1944.
