Antriebstechnik und Fahrwerktechnik

Kamaz

Alles im Plan

Kamaz ist die Nummer eins auf dem russischen Markt für Nutzfahrzeuge. Das einstige Staatsunternehmen erschließt mit einer umfassenden Modernisierung der Produktion neue Wachstumsmärkte. Strategische Allianzen und Joint Ventures mit starken Partnern wie ZF bereiten dafür den Weg.

Gegenüber von Tor 39 steht ein Leuchtturm. Mannshoch, mit roten und weißen Ringen. Oben sendet ein sich drehender Strahler im Sekundentakt grelles weißes Blinklicht in die weite Halle. „Wir wollen immer besser werden“, sagt Kadirov Rinat. „Daran erinnert uns der Leuchtturm.“ Der stellvertretende Leiter der Kabinenmontage hat sich das Symbol auch gleich als Pin ans Revers seines grauen Kittels gesteckt. In der 800 Meter langen Halle montieren am 240-Meter-Kabinenmontageband pro Schicht 140 Beschäftigte für Kamaz schwere Lkw. Diese Fahrzeuge gelten als Klassiker auf dem russischen Nutzfahrzeugmarkt.

Ein Werk vom Reißbrett

Die Personal- und Fertigungsstruktur ist bei Kamaz in Nabereschnyje Tschelny im Laufe einer fast 40-jährigen Unternehmensgeschichte gewachsen. Ohne Kamaz gäbe es nicht die zweitgrößte Stadt der Republik Tatarstan. Mitte der 60er Jahre hatte die Sowjetunion hohen Bedarf an schweren Lkw. Die staatlichen Wirtschaftsplaner ermittelten daher per Computeranalyse den idealen Standort: Nabereschnyje Tschelny am Fluss Kama – ein zentraler Verkehrsknotenpunkt im Herzen Russlands mit allen wichtigen Verbindungswegen auf der Straße, in der Luft und auf dem Wasser.

Derart staatlich gelenkte Lkw- und Busplanung war allumfassend: Kamaz lieferte von 1976 an alles aus einer Hand und schuf maximale Produktions- und Planerfüllungssicherheit. Zugeliefert wurden nur Standardteile wie Schrauben, Muttern oder Scheiben. Der Staat legte fest, was der Markt bekam. In den besten Zeiten verließen jährlich mehr als 160 000 Fahrzeuge das Werk. Damit waren die Kamaz-Werke einer der größten Nutzfahrzeughersteller weltweit.

Die Auflösung der Sowjetunion im Jahr 1991 brachte auch für Kamaz tiefgreifende Umwälzungen. Kamaz war einer der ersten Staatsbetriebe, die in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurden. Später nutzte Kamaz den weltweiten Aufschwung in der Nutzfahrzeugbranche, um in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts neue Produktionsallianzen zu schmieden und die Zahl der neu verkauften Trucks zu verdreifachen. Heute ist das Unternehmen aus Tatarstan nach eigenen Angaben der elftgrößte Nutzfahrzeughersteller weltweit und belegt Platz acht bei der Herstellung von Dieselmotoren. Zum Unternehmen, das 45 500 Mitarbeiter beschäftigt, gehören 96 Betriebe, darunter 13 Großbetriebe.

Der einstige Staatsmonopolist setzt in der Produktion und bei Lieferketten längst auch auf Outsourcing und eigens gegründete Tochterunternehmen. So haben sich im Umfeld von Kamaz in einem neuen Gewerbegebiet mittlerweile rund 100 verschiedene Zulieferunternehmen angesiedelt. „Wir verwenden die besten Komponenten des Automobilbaus. Damit ist Kamaz heute sehr gut auf dem Weltmarkt aufgestellt“, sagt Sergej Kogogin, Generaldirektor der Kamaz AG. „Qualitätssicherung wird bei uns großgeschrieben“, ergänzt Rinat.

Partnerschaft vertieft

Wegen dieses Qualitätsbewusstseins arbeiten ZF und Kamaz schon seit vielen Jahren erfolgreich zusammen. Im Jahr 2005 wurde die seit Mitte der 90er Jahre bestehende Partnerschaft mit der Gründung von ZF Kama auf ein neues, dauerhaftes Fundament gestellt. Die Gesellschaft ist ein Joint Venture von Kamaz (49 Prozent) und ZF (51 Prozent), produziert seither in Nabereschnyje Tschelny auf einer Fläche von 4 000 Quadratmetern etwa 11 000 Lkw-Getriebe der Typen Ecomid und Ecosplit. Rolf Lutz, ZF-Vorstand und Leiter der Division Nutzfahrzeugtechnik, sieht in dem ZF-Kama-Engagement eine weitere Umsetzung der Internationalisierungsstrategie des Konzerns: „Damit hat ZF einen entscheidenden Schritt für die Marktdurchdringung in Russland getan und hat jetzt in einem weiteren Wachstumsmarkt zusammen mit dem Marktführer eine optimale Position.“

„Die Anlage entspricht in Aufbau und Struktur einer vergleichbaren Produktionslinie in Friedrichshafen“, sagt ZF Kama-Geschäftsführer Vladyslav Pastushenko. Der Maschinenbauingenieur hat in Deutschland promoviert und anschließend mit 60 Mitarbeitern in Russland eine eigene Produktionslinie für ZF-Getriebe aufgebaut. Die Anlagen dazu kommen aus Deutschland.

Für Pastushenko verbindet sich mit dieser hochwertigen Technologie ein anspruchsvolles Ziel: „Wir sichern die Qualität über standardisierte Designs, Prozesse und Werkzeuge.“ Pastushenko versteht dies stets als einen dynamischen Prozess. Deswegen hängt am Eingang zu seinem Büro, für jeden gut sichtbar, das Motto von ZF Kama an der Wand: „Wir bleiben nicht gut, wenn wir nicht versuchen, immer besser zu werden.“

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Kamaz in Nabereschnyje Tschelny

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